EDITIONSEINHEITEN

Über das Projekt

In diesem DH-Projekt werden 289 Oberkammeramtsrechnungsbücher der Stadt Wien aus der Zeit von 1424 bis 1768 digitalisiert. Die dabei produzierten 150.000 Abbildungen werden in Goobi mit Metadaten angereichert und soweit möglich mit Hilfe der KI-gestützten Applikation Transkribus in moderne Schrift übertragen. Die Transkriptionen stellen die Basis für eine nachfolgende inhaltliche Tiefenerschließung dar. Zudem werden die bis dato nur rudimentär erschlossenen Rechnungen auch inhaltlich durchsuchbar sein.

Die Bild- und Metadaten werden im ACDH-CH-Repositorium ARCHE langzeitarchiviert und im Archivinformationssystem WAIS der Stadt Wien dargestellt. Zudem soll das Quellenkorpus auch für die Online-Plattform Kulturpool zum kulturellen Erbe Österreichs und für Europeana zur Verfügung gestellt werden.

Die Rechnungsbücher sind eine zentrale Quelle für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtgeschichte Wiens und stellen somit bedeutende Denkmäler des österreichischen kulturellen Erbes dar. Sie erlauben Einblicke in die Geschichte, die sonst verwehrt blieben. Deshalb reihte der österreichische Historiker Alphons Lhotsky in seiner Quellenkunde Rechnungen explizit unter die Tagebücher ein. Die für verschiedene historische Fachdisziplinen relevanten Informationen sind oft „zwischen den Zeilen“ zu finden, die Intention der Rechnungsschreiber war es ja mitnichten, der Nachwelt über die Vorkommnisse jener Jahre zu berichten, sondern es ging darum, für Prüfungen einen möglichst lückenlosen Nachweis der Einnahmen und Ausgaben präsentieren zu können.

Die Ausgaben spiegeln die Aufgaben der Stadtverwaltung wider. Hier sind die städtischen Kasernen und andere städtische Gebäude ebenso zu finden wie die städtischen Wachen, die Bürgerschule bei St. Stephan oder die Uhr am Stephansdom. Die Ausgaben für städtische Amtsträger und Mitarbeiter geben ein detailliertes Bild der Stadtverwaltung. Die Stadt war aber auch an zeremoniellen Angelegenheiten wie Botschafter- und Herrschereinzügen finanziell beteiligt, was sich auch in den Oberkammeramtsrechnungen wiederfindet. So ist beispielsweise die 1690 von Johann Bernhard Fischer von Erlach für den Einzug Josephs I. nach seiner Königskrönung 1690 errichtete Triumphpforte in den Oberkammeramtsrechnungen verzeichnet. Ein weiteres, prominentes kunsthistorisches Beispiel ist die Errichtung des Donnerbrunnens am Neuen Mark 1737/1739.